
Zecken-Stich kann gefährlich sei
FSME- und Borrelliose-Gefahr sollte man nicht unterschätzen
Jetzt beginnt wieder die Zeit der Wiesenspaziergänge und Joggerfreuden im Wald. Doch das sonnige Wetter hat auch seine Schattenseiten, eine erholsame Wanderung könnte durch einen kleinen Stich böse Folgen haben: Die Zecken-Gefahr besteht!
Mit der warmen Witterung beginnt jedes Jahr auch die Zecken-Saison - und damit auch die Gefahr eines Zeckenbisses mit manch unangenehmen Folgen. Die Zecken beginnen ihre Aktivität bei fünf, vielleicht auch sechs Grad Celsius.
Einen "Wirt" - also ein Opfer (Mensch, Tier), an dem sie sich festbeißen können - suchen sie ab acht, neun, zehn Grad Celsius. Die Zecken sitzen an der Vegetation und warten, bis jemand vorbeikommt, an dem sie sich ihre Nahrung Blut holen können.
Rötlich verfärbte Einstichstelle
Ein Zeckenstich an sich ist schmerzlos und wird im Allgemeinen nicht bemerkt. Erst wenn sich die Einstichstelle rötlich verfärbt oder gar Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darmbeschwerden einstellen, sollte man sofort den Hausarzt aufsuchen. Denn was nach einer möglichen Sommergrippe aussieht, könnte auch die Folge eines Zeckenstiches sein.
Zecke vorsichtig entfernen
Falls man nach einer Wanderung bei genauer Untersuchung des Körpers eine in der Haut steckende Zecke entdeckt, sollte man unbedingt handeln und die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Dazu setzt man dicht über der Haut an und zieht bzw. hebelt die Zecke vorsichtig heraus. Diese Kontrolle muss jedoch genau erfolgen, die Einstichstelle einer Zecke - sie kann sich ja bereits wieder davon gelöst haben und sie kann abgefallen sein - ist leicht zu übersehen. Vor allem an jenen Körperregionen, die nicht sofort ins Auge fallen wie z. B. am Kopf unter den Haaren, hinter den Ohren oder am Rücken bzw. Nacken.
HS
Hausarzt Dr. Wolfgang Laimer berät:
Auf Warnzeichen unbedingt achten!
Weltweit können verschiedene Zeckenarten über 50 Krankheiten übertragen, in Österreich sind jedoch nur zwei davon von größerer Bedeutung:
FSME-Virus
Die nach der Jahreszeit ihres Auftretens benannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die zu einer Entzündung des Gehirns und/oder der Hirnhäute führen kann. Die Verbreitung des FSME-Virus ist regional sehr unterschiedlich, in Österreich aber generell relativ hoch. In Hochrisikogebieten kann bis zu jede 25. Zecke mit FSME infiziert sein.
Entzündung der Hirnhäute
Die Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Symptomen) der Frühsommer-Meningoenzephalitis beträgt fünf bis 28 Tage. Bei 70 bis 90 Prozent der Infizierten kommt es zu überhaupt keinen Symptomen, bei 10 bis 30 Prozent zu Fieber mit grippeähnlichen Symptomen. Von diesen Erkrankten erleidet wiederum jeder zehnte Patient eine Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns mit den Hauptsymptomen Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen oder Lähmungen.
Bei diesen seltenen Fällen von Meningoenzephalitis gibt es keine ursächliche Therapie, und vor allem bei Erwachsenen können Behinderungen zurückbleiben, einzelne Patienten sterben.
In Österreich wird daher die gut wirksame und ausgezeichnet verträgliche FSME-Impfung empfohlen. Nach der ersten Impfung wird nach vier bis acht Wochen, dann erneut nach neun bis 12 Monaten geimpft. Auffrischungen werden alle drei bis fünf Jahre empfohlen, es besteht jedoch Anlass zu der Annahme, dass auch längere Impfabstände ausreichen.
Lyme-Borreliose
Wesentlich häufiger wird die sogenannte Lyme-Borreliose durch Zecken übertragen.
Diese wird durch Bakterien namens Borrelien verursacht, von denen es mehrere Unterarten gibt. In manchen Gebieten sind bis zu 30 Prozent der Zecken mit den Bakterien infiziert, dementsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf den Menschen.
Die Borreliose läuft typischerweise in drei Stadien ab, es kann jedoch auch ein Krankheitsstadium fehlen. Auch das völlige Ausbleiben von Symptomen kommt vor. Das erste Stadium tritt 1-6 Wochen nach dem Zeckenstich und damit typischerweise nur von März bis November auf. Es äußert sich in einem charakteristischen Hautausschlag der sich langsam um die Einstichstelle ausbreitet.
Entzündungen der Nerven
Im zweiten Stadium, zu dem es erst nach Wochen bis Monaten kommt, können neben Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit und Nachtschweiß, Gelenksentzündungen, Herzmuskelentzündungen oder Entzündungen der Nerven oder Gehirnhäute auftreten.
Das dritte Stadium (nach Jahren) äußert sich in chronischen Hautveränderungen, Gelenksbeschwerden und/oder neurologischen Beschwerden.
Diagnose
Die Diagnose der Borreliose im ersten Stadium ist typisch und kann ohne weitere Hilfsmittel gestellt werden. Eine sofortige Therapie mit gut bewährten und nebenwirkungsarmen Antibiotika in Tablettenform führt zu einem vollständigen Ausheilen. Ab dem zweiten Stadium wird die Diagnose meist mit Hilfe von Antikörperbestimmungen aus dem Blut gestellt, die Antibiotikatherapie muss je nach Symptomen unter Umständen intravenös erfolgen.
Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung, schützen kann man sich daher nur durch Vermeiden von Zeckenstichen und rasches Entfernen von Zecken nach dem Besuch von Wald und Flur.
Zur Sache
Zecken-Entfernung
Nach dem Wandern sollte man seinen Körper nach Zecken absuchen. Findet man eine, fasst man sie am besten mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange ganz vorne an und zieht oder dreht sie vorsichtig, ohne sie zu quetschen, aus der Haut. Vorheriges Abtöten mit Öl oder Klebstoff ist nicht zu empfehlen.
Aus der österreichischen Quelle
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